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April 28, 2016

Der Markt steht noch nicht unter Spannung

JATO-Analyse zur Elektromobilität 2015 in Deutschland

Limburg, 28. April 2016 – Deutschland muss mehr tun, wenn es das selbstgesteckte Ziel, Marktführer für Elektromobilität zu werden, noch erreichen will. So lautet das Fazit einer Analyse des Marktbeobachters JATO Dynamics in Limburg. Allerdings steht Deutschland im internationalen Vergleich nicht ganz so schlecht da. Viele andere Länder haben ebenfalls ausreichend Nachholbedarf, wenn die Elektromobilität einen signifikanten Beitrag zur Energieeffizienz und zur Reduktion des klimaschädlichen CO2 leisten soll.

Der Absatz von Elektrofahrzeugen in Deutschland hat 2015 zwar zugenommen, doch insgesamt beträgt der Marktanteil an Hybrid-Fahrzeugen, Plug-in-Hybriden und reinen Elektrofahrzeugen weniger als 1,5 Prozent aller Neuzulassungen. Verantwortlich dafür sind nach Ansicht der Analysten vor allem die Kosten, die geringe Reichweite und mangelndes Kundenwissen. Dementsprechend schwach ist das Interesse. Nicht einmal jeder zehnte Käufer eines Neuwagens würde trotz der gewachsenen Modellauswahl ein Elektro- oder Hybridfahrzeug in Betracht ziehen. „Wenn sich nicht in kürzester Zeit mehr Kunden für Elektroautos interessieren, wird Deutschland dem eigenen Anspruch, bis 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen, nicht gerecht werden können“, sagt Martin Verrelli, Managing Director JATO Dynamics GmbH und Regional Manager Central Europe.

Finanzielle Anreize können den Unterschied machen
Um das zu ändern, könnte eine staatliche Unterstützung, wie sie in verschiedenen Ländern bereits eingeführt wurde, behilflich sein. Länder wie Frankreich, Norwegen oder die USA unterstützen ihre Bürger längst beim Kauf eines Elektroautos. In Frankreich wird Besitzern eines mindestens 14 Jahre alten Dieselfahrzeugs beim Kauf eines neuen Modells mit alternativem Antrieb ein Zuschuss von 10.000 Euro gezahlt. In Norwegen müssen die Käufer eines Elektrofahrzeugs weder Mehrwertsteuer noch eine sogenannte „Einmalgebühr“, die beim Kauf eines konventionellen Autos anfällt, zahlen. Darüber hinaus gibt es kostenfreie Ladestationen und Parkplätze sowie eine Befreiung von der üblichen City-Maut. Außerdem dürfen E-Autos die Busspur nutzen. In den USA können die Käufer eines Elektrofahrzeugs 7.500 US-Dollar steuerlich absetzen. Und auch in China wurden Kaufprämien, Steuervorteile und eine rigide Zulassungspraxis eingeführt, die Elektroautos bevorzugt.

Doch in Deutschland hält erst einmal nur die politische Diskussion über finanzielle Anreize an. Die Branche hält eine Prämie von bis zu 5.000 Euro für Käufer von Elektro- und Hybridfahrzeugen für sinnvoll. Ob am Ende eine Kaufprämie oder nur Steuervorteile dabei herauskommen, wird sich zeigen. Einiges spricht für eine Kombination aus beiden Ansätzen. Für die Hersteller sind – aufgrund der Größe des deutschen Marktes, der europaweit fast ein Viertel aller Fahrzeugverkäufe ausmacht – finanzielle Anreize das potenziell wichtigste Instrument, um den Absatz anzukurbeln.

Noch ein langer Weg bis zur Spitze
Weltweit konnten im Jahr 2015 Wachstumsraten von über 70 Prozent nur bei den rein batteriebetriebenen E-Fahrzeugen (BEV) und den Plug-in-Hybriden (PHEV) verzeichnet werden, während der Absatz der Hybrid-Fahrzeuge (HEV) um zwei Prozent zurückging. In Deutschland wurden im gleichen Zeitraum knapp 20.000 HEVs zugelassen, das entspricht weltweit Platz 8 und Platz 4 in Europa. Der gesamte Marktanteil ging von 0,7 Prozent (2014) auf 0,6 Prozent zurück. Mit über 11.000 neuen Plug-in-Hybriden belegte Deutschland Platz 6 in der weltweiten Zulassungsstatistik und Platz 3 in Europa. Trotz steigender Verkaufszahlen bleibt Deutschland hinter den führenden PHEV-Märkten zurück – nicht nur hinter China und den USA, sondern auch in Europa hinter den Niederlanden und Großbritannien. Der Marktanteil der batterieelektrischen Fahrzeuge stieg dagegen leicht von 0,3 Prozent (2014) auf 0,4 Prozent. Deutschland nimmt mit 13.000 BEV-Zulassungen den weltweit fünften Rang ein.

Die wichtigsten Themen für die Unternehmen bleiben die transparente Information der Kunden über die angebotenen Alternativen sowie eine erfolgreiche Überzeugungsarbeit, dass alternativen Antriebskonzepten die Zukunft gehört. Zudem arbeiten die Hersteller an größeren Reichweiten, kürzeren Ladezeiten und geringeren Kosten für Produktion und Wartung von Batterien, um den Kunden günstigere Preise anbieten zu können. Dessen ungeachtet sind sowohl die Fahrzeughersteller als auch alle anderen Branchenteilnehmer aufgefordert, den Markt für alternativ angetriebene Autos so transparent wie möglich zu gestalten, um die Vorurteile der Kunden weiter abzubauen.